Digitaler Buchdruck: vollfarbig, wirtschaftlich, individuell

Reihe farbiger Buchrücken

Digitale Buchproduktion: Mit vollfarbig gedruckten und auf definierte Zielgruppen zugeschnittenen Inhalten erschließen Verlage neue Märkte. (Foto: © Valery Brozhinsky / Shutterstock.com)

Der Buchmarkt hat in den letzten Jahren einen rasanten Wandel vollzogen: Die Zahl der Titel steigt beständig, während die Einzelauflagen weiter sinken. Auf diese veränderten Marktbedingungen haben zunächst einige wenige Book-on-Demand-Dienstleister reagiert – meist etablierte Druckereien, die in digitale, tonerbasierte Rollensysteme für den hochvolumigen Schwarzweißdruck der Inhaltsseiten und in niedrigvolumige Maschinen für den vollfarbigen Coverdruck investiert haben. Damit wurde es möglich, Buchtitel in sehr kleinen Auflagen wirtschaftlich zu produzieren.

Vollfarbiger Druck über alle Seiten

Farbige Buchelemente

Diagramme, Symbole, Abbildungen: Farbige Elemente machen Buchinhalte attraktiver und verständlicher. (Foto: © peshkova / Fotolia.com)

Lange bedeutete wirtschaftliche Buchproduktion, den digitalen Vollfarbdruck nur bei den Umschlagseiten – zumeist Softcover – anzuwenden. Auch heute noch haben Digitaldruckdienstleister mit dem Klischee zu kämpfen, dass der vollfarbige Digitaldruck über das gesamte Produkt hinweg nicht wirtschaftlich ist. Viele Fachbücher, Manuals oder Kataloge werden schwarzweiß gedruckt, obwohl farbige Druckprodukte hochwertiger und übersichtlicher sind. Man denke nur an Diagramme oder gar Schaltpläne: Mit Graustufen und Schraffuren kommt man schnell an die Grenzen der anschaulichen Darstellung. Häufig dient Farbe der Sicherheit, zum Beispiel dazu, Verwechslungen auszuschließen. Dem sollten auch die Buchseiten Rechnung tragen.

Zumal es nach heutigem Stand der Technik überhaupt nicht notwendig ist, bei der Buchproduktion auf Farbe zu verzichten. Modernste Hochleistungs-Vollfarb-Inkjetdruck-Systeme stehen der Geschwindigkeit von Rollenoffsetmaschinen kaum noch nach. Die neue Canon ColorStream 6000 etwa, eigens für die Produktion von Direktmailings und Publikationen konzipiert, erreicht eine Druckgeschwindigkeit von bis zu 127 Metern pro Minute bei einer Druckbreite von bis zu 540 Millimetern – eine Performance, die auch mit höheren Auflagen und Volumen spielend fertig wird. Und weil der reine Druck von Papierbahnen noch kein Buch macht, lassen sich solche Inkjet-Produktionssysteme nahtlos an marktgängige Endverarbeitungssysteme anbinden. Im Übrigen gibt es bei der Bindung digital gedruckter Bücher keinerlei Einschränkungen: Die Digital Print Group zum Beispiel deckt mit Bindemaschinen von Wohlenberg, Horizon, Müller Martini und Universe sämtliche Bindearten ab – von Softcover über Hardcover bis hin zur hochwertigen Fadenheftung.

Wie wirtschaftlich ist der digitale Datendruck?

Zunächst einmal ist Wirtschaftlichkeit nicht allein am Stückpreis festzumachen. In einer Zeit, in der Verlage mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen haben, kann die Flexibilität der digitalen Buchproduktion für eine stärkere Zielgruppenorientierung genutzt werden und damit zu erheblichem Mehrwert beitragen. Außerdem werden durch Teilauflagen teure Lagerhaltungskosten und hohes wirtschaftliches Risiko vermieden. Die Rüstzeiten für den variablen Datendruck sind kurz – so können Dienstleister sehr schnell und flexibel auf Bestellungen reagieren.

Unabhängig davon aber verschiebt sich mit der Inkjet-Technologie die Grenze des wirtschaftlich Machbaren immer weiter zugunsten der digitalen Produktion. Ein Beispiel: Bei einem 240 Seiten starken Softcover-Buch im Format 17 mal 24 Zentimeter, vierfarbig gedruckt auf 115-Gramm-Papier mit matt kaschiertem Umschlag, liegt die Grenze bei etwa 2000 Exemplaren. Das heißt, bei jeder Auflage, die kleiner ist, ist der Digitaldruck wirtschaftlicher. Und je geringer die Seitenzahl des Printproduktes ist, desto größer ist natürlich die Zahl der Exemplare, die im Inkjetdruck wirtschaftlich produziert werden können.

Neue Märkte durch Individualisierung

Telefone

Beispiel für individuellen Content: Telefonbücher, deren (geografischer) Umfang vom Verbraucher gewählt wird. (Foto: © anmaro / Fotolia.com)

Online verfügbare Inhalte und E-Books machen dem klassisch gedruckten Buch Konkurrenz. Zugleich zeigen Umfragen der vergangenen Jahre immer wieder, dass viele Leser klassische Druckmedien schätzen und beispielsweise Anzeigen in gedruckter Form den elektronischen Varianten vorziehen. Für Verlage bietet es sich an, die Vorteile des variablen Datendrucks für neue Individualisierungsstrategien zu nutzen, in dem sie beispielsweise personalisierten Content anbieten. Und mit personalisiertem Content ist keineswegs nur der in die Covergestaltung integrierte Name gemeint.

Individualisierte Buchprodukte sind dann innovativ, wenn sie in ihrem Aufbau und Inhalt auf die Vorlieben und Interessen oder das regionale Umfeld des Lesers ausgerichtet sind. Für den Verlag Reader’s Digest beispielsweise hat die Digital Print Group mehrere Gesundheitskochbücher produziert, deren Rezeptauswahl und Gesundheitstipps auf die Gesundheitsdaten der Verbraucher zugeschnitten sind. Natürlich setzt das voraus, dass man solche Daten von seine Lesern hat, was bei den meisten Verlagen eher nicht der Fall ist. Aber das Beispiel zeigt, was mit innovativem CRM und gepflegten Datenbanken im Bereich der Buchproduktion heute möglich ist.

So wie der Zuschnitt des Contents auf eine regionale Auswahl: Zusammen mit einem großen Telefonbuch-Verlag hat die Digital Print Group Das Örtliche gedruckt – und zwar ganz nach individuellen Vorgaben. Die Kunden konnten im Online-Shop wählen, für welchen Einzugsbereich sie das Telefonbuch zusammengestellt haben möchten, und genau für diesen Bereich – bis zu einem Umfang von 1000 Seiten – wurde das Örtliche dann produziert. Bestellabwicklung, Datenaufbereitung, Druck, Bindung und Versand erfolgten komplett druch den Druckdienstleister.

Fazit
Der Markt für gedruckte Bücher hat sich in den vergangenen Jahren stark diversifiziert. Trotz großer Konkurrenz durch digitale Medien sind klassische Bücher nach wie vor gefragt. Insbesondere der Hochleistungs-Inkjetdruck ermöglicht es Verlagen, kleine bis mittlere Auflagen von Soft- und Hardcoverbüchern vollfarbig und zugleich wirtschaftlich zu produzieren und dank des flexiblen Datendrucks mit zielgruppenorientierten Produkten neue Märkte zu erschließen.