Kreative Mitarbeiter: Querdenken als Lösungsansatz

Gegen den Strom: Ausgetretene Pfade zu verlassen kann Innovationen befördern und neue Lösungsansätze hervorbringen. (Foto: © Sentavio / Shutterstock.com)

Gegen den Strom: Ausgetretene Pfade zu verlassen kann Innovationen befördern und neue Lösungsansätze hervorbringen. (Foto: © Sentavio / Shutterstock.com)

In den letzten Jahren befinden sich – durchaus auch branchenunabhängig – viele mittelständische und inhabergeführte Familienunternehmen in einer Art Überlebenskampf, der sich primär auf drei Gebiete konzentriert und in dem einen oder anderen Unternehmen einen Change-Prozess initiiert:

  • Kostensenkung
  • Restrukturierung
  • Qualität und Kundendienst

1. Kostensenkung

Der Weg einer schnell wirkenden Kostensenkung beginnt meist mit Personalkosteneinsparung. Durch eine explizite Arbeitsrechtsprechung erhöht sich die Gefahr einer Vernichtung von Humankapital an der Stelle, wo es dem Unternehmen u.U. schadet. Insbesondere bei den Unternehmen, die über den Zeitraum von mehr als 30 Jahre gewachsen sind, findet sich eine entsprechende Altersstruktur. Diese ist ab einem bestimmten Zeitpunkt nur schwerlich zu verändern. Mit einem fehlerhaften Eingriff besteht die Gefahr eines Substanzverlustes.

An zweiter Stelle beim Thema Kostensenkung kommen mit hoher Wahrscheinlichkeit die Einkaufskonditionen. Ein beliebtes Spielfeld für Nichtkreative, da man ohne im eigenen Haus etwas zu verändern, den Zulieferer als Goldesel nutzt. Insbesondere die Lieferantenpartner sind nicht nur ein wichtiger Faktor für ein erfolgreiches Wirken innerhalb des eigenen Geschäftsmodells, mitunter sind sie sogar der Garant. Dann folgt erfahrungsgemäß der Blick auf die verschiedensten Themen, wie Umgang mit Verbrauchsmaterialien, Firmenfahrzeuge, die auslastungsabhängige Arbeitszeit, Überstunden- und sonstige Zuschläge u.a.m.

Wo der Rotstift angesetzt wird, droht Substanzverlust im Unternehmen.

Wo der Rotstift angesetzt wird, droht Substanzverlust im Unternehmen.

Alle genannten Elemente sind sicher nicht verkehrt, aber wenig nachhaltig, weil es keine organisch eingefügte Elemente sind. Personalkosteneinsparung vornehmen zu müssen beinhaltet in der Entstehungsgeschichte, dass entweder Fehler bei der Zusammensetzung der Mannschaft gemacht wurden, dass man hat etwas zu lange einfach laufen lassen oder die Qualität der Mitarbeiterführung liegt im Argen. Es kann natürlich auch sein, dass im Marketing und Vertrieb einige zukunftssichernde Maßnahmen unterlassen, bzw. nicht durchgeführt wurden. Den Zulieferer zu „knebeln“ macht keinen Sinn, da dieser auch seine Marge braucht. Spätestens seit „Lopez“ weiß man, dass jede Wurst mindestens ein Ende hat. Gut, manchmal auch zwei!

Sobald eine Unternehmensführung unter dem Druck der Kostenreduktion nach Einsparpotentialen im eigenen Haus sucht, passieren Fehler. Das ist natürlich, weil die Mitarbeiter in der Regel eine andere Interessenlage haben als der Unternehmer selbst. Schwierig wird es immer dann, wenn das Unternehmen eine entsprechende Größe und eine aktive Arbeitnehmervertretung hat. Der damit zu erwartende Widerstand muss bei der Planung der Zeitachse für die Umsetzung der Sparmaßnahmen, entsprechend berücksichtigt werden.

2. Restrukturierung

Sobald bei einer Unternehmensführung der Begriff Restrukturierung im Kopf auftaucht, beginnen in nicht unerheblichem Umfang reflexartige Szenarien sich ihren Weg zu bahnen. Mitunter wird der unternehmerische Spielraum unverständlicherweise verengt. Ist ein Restrukturierungsplan erst mal grob zu Papier gebracht, gehen in manchen Fällen die „Scheuklappen“ nach vorne und es wird nicht mehr nach rechts oder links geschaut. Es gibt ja nun ein fixes Ziel und das gilt es zu erreichen. Vergessen wird u. U., einmal gelernt zu haben, dass man heute bewegliche Ziele kreieren soll. Der Grund ist einfach, das Ziel erreicht man nur mit den Menschen im Unternehmen. Es reicht keineswegs und hindert auch an einer Zielerreichung, wenn nur noch mit Excel-Listen und Zahlen gearbeitet wird. Noch vernichtender ist der Einsatz von externen Begleitern, die branchenfremd und ohne das Tagesgeschäft in dem jeweiligen Unternehmen nicht einschätzen können.

Eine externe Begleitung hat immer die Aufgabe, eine Unterstützung so zu gestalten, dass die jeweilige Unternehmensleitung die Restrukturierungen im Kontext der betrieblichen Abläufe plangerecht zum Ziel führen kann. Es ist meist unvollkommen lediglich festzustellen was in einem Betrieb nicht stimmt. Meist weiß der Unternehmer dies selbst am besten. Es gilt, gangbare Wege aufzuzeigen. Von Kosteneinsparung getriebene Restrukturierungsmaßnahmen bieten dem Unternehmen keine Nachhaltigkeit. Sie zerstören mehr als sie helfen. Der sichtbare Erfolg im Ergebnis würde in einer Gesamtbilanz (Geld- und Humankapital) untergehen. Da ist es sinnvoller über Coaching-Maßnahmen bei den Führungskräften frühzeitig nachzudenken.

3. Qualität und Kundendienst

Die Qualität ist ein geschundener Begriff. Wir müssen akzeptieren, dass mit der Nutzung dieses Begriffes in verschiedenen Gewässern gefischt wird. Wir sprechen einerseits von der Produktqualität, die durch unzählige Zertifizierungsmöglichkeiten exakt zu definieren ist. Dann ist da noch die Qualität der Auftragsdurchführung, womit sich so Dinge wie, Kommunikation zum Kunden hin u. a. verbinden und dann ist da noch die Qualität der Kundenwunscherfüllung. Jeder Auftraggeber verbindet mir der Auftragsvergabe auch bestimmte Wünsche, die zu erfüllen sind. Wer in einer Engpasssituation diese Dinge bisher noch nicht berücksichtigt und transparent gestaltet hat, dem ist die Zeit schon ein wenig durch die Finger geronnen.

Der Kundendienst, ein Wort, welches aus einer früheren Zeit übrig geblieben ist. Wenn man es als Synonym nutzt, lassen sich viele Spielwiesen kreieren. Heute würde man sicher eher den Begriff Kundenbeziehungsmanagement verwenden. Ein zeitgemäßes Beziehungsmanagement beinhaltet, dass es eine fundamental empathisch Vertriebsarbeit gibt. Dass alle aus einem Unternehmen, die Kundenkontakt haben, eine einheitliche Vorstellung zu dem Thema Kernbotschaft des Unternehmens, haben.

Der Lösungsansatz: Kreativität fördern

Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Raum für Kreativität geben, haben einen Vorsprung im Wettbewerb. (Foto: © Ivelin Radkov / Shutterstock.com)

Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Raum für Kreativität geben, haben einen Vorsprung im Wettbewerb. (Foto: © Ivelin Radkov / Shutterstock.com)

Jeder Mensch verfügt über die Eigenschaft der Kreativität. Diese Prämisse vorangestellt, gilt es diese Eigenschaften für eine konstruktive Zusammenarbeit zu nutzen. Das wird nur dann möglich, wenn kreative Ideen nicht zwangsläufig einen logischen Schluss haben müssen. Kreative Ideen der Mitarbeiter werden, je nach Vorgesetztem, mitunter als “Spinnerei“ abgetan oder nicht weiter verfolgt.

Auch wenn es zunächst widersprüchlich erscheint, ist die nachfolgende Ausführung zum besseren Verständnis sinnvoll. Das menschliche Gehirn, als ein sich selbst organisierendes System, ist von Natur aus nicht für kreative Denkarbeit gerüstet. Das Gehirn erkennt nur, was es zu sehen erwartet. Es ist programmiert durch Erfahrung, Routine, Gewohnheiten und Erbmasse. Neu wahrgenommene Informationen werden stets mit den schon vorhanden Mustern abgeglichen und als brauchbar oder weniger brauchbar eigestuft.

Mancher Zeitgenosse meint, nicht kreativ zu sein. Glauben Sie das nicht! Wenn es darum geht, das Zeiterfassungssystem zu überlisten oder Prozessvorgaben nicht einzuhalten, haben auch die “Nichtkreativen“ ein großes Kreativpotential. Charakteristisch für Kreativität ist das konstruktive In-Beziehung-Setzen von Widersprüchen, die Suche nach gemeinsamen Nennern und die Neukombination von bekannten aber noch nicht verknüpften Denk-Elementen. Dieses Splitten in die Elemente, Neuverknüpfungen und Umstrukturierungen, dieses Umbilden von Wirklichkeiten zu neuen Beziehungen, das ist das Spannende. Gerade der bewusste Prozess der Umstrukturierung macht gleichzeitig deutlich, dass kreative Leistungen niemals aus dem Nichts stammen, sondern immer auf Vorhandenem aufbauen.

Was ist zu tun, um nicht bei den zuerst aufgeführten drei Stellschrauben festzuhängen. Nun, fördern Sie die Kreativität Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gehen Sie selbst neue kreative Wege. Kreative Mitarbeiter, sofern diese ihre Kreativität für das Unternehmen einsetzen, sind ein gutes Unterscheidungsmerkmal zum Wettbewerb.