Interview: Technologie und Expertise nutzen!

Magazine und Kataloge sind ideale Produkte für Print-Individualisierung – doch diese Option wird bislang kaum genutzt. (Foto: © Africa Studio / Shutterstock.com)

Magazine und Kataloge sind ideale Produkte für Print-Individualisierung – doch diese Option wird bislang kaum genutzt. (Foto: © Africa Studio / Shutterstock.com)

Bereits zum zweiten Mal nach 2014 haben die Digital Print Group und der Deutsche Drucker eine vollpersonalisierte Ausgabe des führenden Fachmagazins für die deutsche Druck- und Medienindustrie produziert. Oliver Schimek, Geschäftsführer der Digital Print Group, spricht im Interview über das Projekt und über neue Möglichkeiten der Printindividualisierung.

Herr Schimek, Sie haben im März 2016 zum zweiten Mal eine personalisierte Ausgabe des Deutschen Druckers produziert. Was war Ihr Antrieb?

Unsere Intention ist nach wie vor, Verlagsprodukte und Digitaldruck stärker als bisher zusammenzubringen. Im Bereich des Buchdrucks ist das fast schon zur Normalität geworden – Stichwort Books on demand ab Auflage eins. Bei Zeitschriften sieht die Realität anders aus: Hier werden die Möglichkeiten des Digitaldrucks, insbesondere des Inkjetdrucks, bisher kaum genutzt.

An welche Möglichkeiten denken Sie dabei genau?

Wenn man sich diese Ausgabe genau anschaut, dann entdeckt man schnell zwei Hauptargumente für den individualisierten Druck: Zum einen kann der Leser persönlich angesprochen werden – nicht nur im redaktionellen Teil, sondern auch in den Anzeigen. Das schafft Nähe und sorgt für eine emotionale Bindung. Das zweite Argument ist die Geoindividualisierung: Wenn bekannt ist, wo der Leser wohnt oder arbeitet, können Inhalte und Angebote auf dessen Einzugsgebiet zugeschnitten werden, etwa die Filiale und der regionale Ansprechpartner eines Dienstleisters. Auch die redaktionellen Inhalte können auf die Region oder sogar den Wohnort des Abonnenten ausgerichtet werden.

Inkjet-Pionier: Oliver Schimek an der Océ ColorStream 3500 (Foto: © Digital Print Group)

Inkjet-Pionier: Oliver Schimek an der Océ ColorStream 3500 (Foto: © Digital Print Group)

Dafür braucht es sicher mehr als das Know-how an der Druckmaschine …

Zunächst einmal muss die Technologie vorhanden sein, um ein solches Projekt – wir reden beim Deutschen Drucker ja von einer fünfstelligen Auflage – überhaupt im Digitaldruck zu stemmen. Wir haben bereits vor fünf Jahren auf die Technologie des Vollfarb-Hochleistungs-Inkjetdrucks gesetzt – zu einer Zeit, als solche Systeme nur bei den großen Transaktionsdruckdienstleistern zu finden waren. Uns war klar, dass der Markt der White-Paper-Individualisierung auch im Akzidenzdruck rasant wächst. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Intelligentes Datenmanagement ist Voraussetzung für individualisierte Printprodukte. Wir haben uns sowohl im Nearline-Manualdruck als auch im Bereich individualisierter Mailings eine große Expertise in der Datenaufbereitung erarbeitet. Von dieser Expertise und der Performance des Hochleistungs-Inkjetdrucks könnten künftig auch die Zeitschriftenverlage stärker profitieren.

Gibt es weitere Printprodukte, bei denen der Inkjetdruck seine Vorteile ausspielen kann?

Es ist bereits angeklungen – das Spektrum für den Vollfarb-Hochleistungs-Inkjetdruck ist groß und reicht von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften über Kataloge und Mailings bis hin zu technischen Dokumentationen. Vor allem bei der Individualisierung spielt diese Technologie ihre Stärken aus, weil ich den flexiblen Datendruck dazu nutzen kann, den Empfänger gezielt anzusprechen. Bei Mailings oder Katalogen zum Beispiel bedeutet das, nicht nur Namen und Geodaten für eine emotionale Ansprache zu verwenden, sondern weitere relevante Kundeninformationen zu nutzen, etwa das Einkaufsverhalten und die Produktaffinität. Hier können Hersteller und Händler sogar die Rabattangebote individuell gestalten.

Wie sieht es mit den Kosten aus? Ist der Digitaldruck nicht viel teurer als der Offsetdruck?

Vor 15 Jahren hätte man personalisierte Massenmailings in der Tat nicht wirtschaftlich herstellen können. Aber spätestens mit der Etablierung des Inkjet-Produktionsdrucks lassen sich mittlere und sogar hohe Auflagen digital zu einem wirklich günstigen Preis drucken. In Zeiten eines Information-Overloads – nicht zuletzt verursacht durch leicht verfügbare digitale Inhalte – kommt es zunehmend auf die Qualität der Printkommunikation an. Wer hier nach wie vor auf Standardprodukte ohne Individualisierung setzt, wird es schwer haben.